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Biodiversität

Die sinkende Biodiversität ist global, schweizweit und kommunal einer der dringlichsten Handlungsfelder. Der Schutz der heimischen Artenvielfalt "durch die Erhaltung genügend grosser Lebensräume (Biotope) und anderer geeigneter Massnahmen" ist ein gesetzlicher Auftrag aus dem Natur- und Heimatschutzgesetz von 1966. Die entsprechende Bundesverordnung gewichtet ausserdem die Vernetzung der Lebensräume sehr hoch. Eine gute Vernetzung stellt den genetischen Austausch zwischen verschiedenen Populationen sicher und erhöht dadurch die deren Resilienz gegenüber Umweltveränderungen.

Das Bundesrecht verlangt ausserdem den sog. ökologischen Ausgleich. Dieser soll in intensiv genutzten Gebieten (z.B. Siedlungs- und Landwirtschaftsgebieten) "mit Feldgehölzen, Hecken, Uferbestockungen oder mit anderer naturnaher und standort-gemässer Vegetation" umgesetzt werden und insbesondere die Förderung der Artenvielfalt, die Verbindung isolierter Biotope, die Einbindung der Natur in den Siedlungsraum und eine naturnahe und schonende Bodennutzung bezwecken (Art. 18b Abs. 2 NHG & Art. 15 Abs. 1 NHV).

Die Gemeinde Horgen nimmt ihre Rolle bei der Förderung der Biodiversität aktiv wahr und hat zu diesem Zweck bereits mehrere Projekte lanciert bzw. sich an der Lancierung bezirksweiter Projekte beteiligt:

Obstgartenprojekt Horgen Wädenswil

Das Obstgartenprojekt wurde 2007 von Birdlife Zürich in Zusammenarbeit mit den Naturschutzvereinen Horgen und Wädenswil lanciert. Es wurde federführend von einem Ökobüro mit finanzieller Unterstützung der beiden Gemeinden umgesetzt. Im Jahr 2023 beendete Birdlife das Projekt. Bis dahin konnten bereits mehrere hundert Meter Hecken, zahlreiche Kelinstrukturen, 27 Magerwiesen und Ruderalflächen sowie 19 Reptilienburgen angelegt werden.

Seit 2024 führt das Naturnetz Zimmerberg das Projekt der beiden Gemeinden Horgen und Wädenswil weiter. Damit setzt sich die Gemeinde Horgen weiterhin für die Förderung einer strukturreichen Kulturlandschaft als Lebensraum für Tiere und Pflanzen ein. Durch die Anlage von Streuobstwiesen, Pflanzung von Einzelbäumen, Baumalleen und Hecken sowie die Schaffung von Magerwiesen, Kleinstrukturen und Reptilienburgen kann das Landwirtschaftsgebiet als Hort einer vielfältigen Natur erhalten bleiben.


Naturnetz Zimmerberg

Das 2023 gegründete Naturnetz Zimmerberg (NNZ) fördert die regionale Biodiversität, die Vernetzung von Lebensräumen sowie die Landschafts- und Erholungsqualitäten im Kontext der Klimaanpassung. Die Gemeinde Horgen beteiligt sich aktiv am Aufbau des neuen Naturnetzes. Das NNZ ist bei der Zürcher Planungsgruppe Zimmerberg (ZPZ) angesiedelt und deckt die Gemeinden Horgen, Oberrieden, Richterswil, Rüschlikon, Thalwil und Wädenswil ab. Die fachliche und operative Führung liegt bei einer interdisziplinär zusammengesetzten Fachkommission.

Das NNZ übernimmt u.a. die Trägerschaft für das Vernetzungsprojekt der Landwirtschaft und führt das Obstgartenprojekt weiter. Geplant sind ausserdem weitere Projekte zur Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum, im Wald sowie in und an Gewässern.

Weitere Infos: Naturnetz Zimmerberg


Blühende Nachbarschaft

Die Gemeinde Horgen möchte die Biodiversität im Siedlungsraum aktiv fördern und hat dazu in Zusammenarbeit mit der Umweltorganisation PUSCH das Projekt "Blühende Nachbarschaft" lanciert. Dabei sollen kommunale Rasenflächen vermehrt in artenreiche Blumenwiesen umgewandelt werden. Als wichtiges Teilprojekt wird das Werkhofpersonal bei der Anlegung und Pflege solcher Blumenwiesen geschult.

Als Pilotprojekt wurde der Rasen hinter der Bushaltestelle Rotweg ausgewählt. Hier wurde im Winter 2023/24 der Oberboden abgetragen und eine artenreiche Blumenwiese eingesät. Bereits im Herbst 2024 erstrahlte die Fläche in einer überraschenden Blütenpracht.

Im Jahr 2025 werden zwei weitere Flächen am Hangweg entsprechend umgestaltet. Die Grasnarbe wurde abgeschürft und zur Ansaat frisches Schnittgut von einer wertvollen Spenderfläche im Längiberg übertragen. Mit dem Schnittgut werden nicht nur Pflanzenarten übertragen, sondern auch Insekteneier und -larven (z.B. Heuschrecken und Schmetterlinge). Am Hangweg wurden ausserdem Kleinstrukturen aus Holz angelegt um gezielt die Vorkommen der Zauneidechse zu fördern.

Hier gehts zur Anleitung: Anleitung für Anlage und Pflege von Wildblumenwiesen


Wilde Nachbarn Zimmerberg

Das Projekt Wilde Nachbarn Zimmerberg startete im 2022 und konnte seither mittels Beobachtungsmeldungen aus der Bevölkerung das Vorkommen der Wildtiere im Siedlungsraum erforschen, erlebbar machen und fördern. Das Herzstück des Projekts ist eine online-Meldeplattform, bei welcher jedermann Sichtungen von Wildtieren im der Region Zimmerberg melden kann. Dank einer virtuellen Karte kann man auf der Plattform ausserdem sehen, wo welche Tierarten gesichtet und gemeldet wurden. Das hilft uns mehr über unsere Biodiversität zu erfahren.

Jährlich lanciert Wilde Nachbarn Zimmerberg ausserdem Aktionen, bei denen sich die Bevölkerung aktiv beteiligen kann. Im Jahr 2024 wurde mittels Spurentunnel die Verbreitung des Igels (Erinaceus europaeus) erforscht. Die Resultate sind einem Video kurz zusammengefasst: https://vimeo.com/1035505376

Im Jahr 2025 läuft die Aktion "Freie Bahn für Igel & Co". Dabei geht es darum die vielen unüberwindbaren Hindernisse, mit denen Igel und andere Kleintiere im Siedlungsraum zu kämpfen haben, abzubauen. Freiwillige sind dabei von zentraler Bedeutung: sie identifizieren die Hindernisse und – wo möglich - beseitigen sie diese oder machen sie überwindbar. Anschliessend werden mit einer Plakette als Durchlass gekennzeichnet und mittels Wildkamera geprüft, welche Tierarten den Durchlass nutzen.

Mit dem Projekt Wilde Nachbarn Zimmerberg trägt die Gemeinde Horgen zur Erforschung und der Förderung heimischer Wildtiere bei und sensibilisiert die Bevölkerung für den Schutz der Biodiversität.


Naturentdeckungspfade Horgen

Die Gemeinde Horgen ist voller Naturschönheiten. Eine Auswahl davon kann seit Juli 2019 mit einer Handy-App entdeckt werden.

Eine Karte führt einem direkt zu diesen Hotspots der Biodiversität. Die Handy-App erläutert die Naturobjekte mit Texten, Hintergrundinformationen und Bildern. Wenn man sich zu Fuss dem Objekt nähert, werden ergänzende Informationen sichtbar. Ein Naturquiz macht die Wanderung durch Horgen für die ganze Familie zu einem zusätzlichen Erlebnis.

Eine Auswahl der Horgner Naturschönheiten kann mit der App Naturpfade erkundet werden

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